Presseberichte vom 04.10.2000

 

 


Brandanschlag auf Synagoge - Deutschland entsetzt

Videoaufnahme vom BrandanschlagDüsseldorf (dpa/dto). Auf die Synagoge in Düsseldorf ist in der Nacht zum Dienstag ein Brandanschlag verübt worden. Der oder die Täter warfen bis zu drei Brandsätze gegen die gläserne Eingangstür des jüdischen G"tteshauses. Verletzt wurde niemand. Bei zwei Protestkundgebungen am Dienstag brachten hunderte Düsseldorfer ihr Entsetzen über die feige Tat zum Ausdruck. Am Mittwoch Vormittag (11 Uhr) wollen sich Bundeskanzler Gerhard Schröder, NRW-Ministerpräsident Wolfgang Clement und Zentralratspräsident Paul Spiegel an der Synagoge treffen.

Am frühen Dienstag Morgen wurden zwei verdächtige Jugendliche im Alter von 15 und 16 Jahren vorläufig festgenommen. Beide trugen Lederjacken, auf die sie Hakenkreuze gesprüht hatten. Nach deren Vernehmung stellte sich allerdings heraus, dass sie mit dem Brandanschlag nichts zu tun haben, so die Staatsanwaltschaft am Nachmittag. Untersuchungen von Anhaftungen an der Hose eines der Festgenommenen hätten ergeben, dass es sich nicht um den Brandbeschleuniger handelt, der bei dem Anschlag auf die Synagoge verwendet wurde. Die beiden Jugendlichen haben aber zugegeben, dass Sie während der Tatzeit auf Einbruch-Tour in Ratingen unterwegs waren. Überprüfungen der Polizei haben das bestätigt. Beide sollen deswegen jetzt dem Haftrichter vorgeführt werden. Ihnen wird außerdem das Verwenden von verbotenen Symbolen vorgeworfen.

Ein Passant hatte am Montag Abend die Polizei alarmiert. Kurz darauf trafen die Einsatzkräfte an der Synagoge in der Zietenstraße ein. Nach Polizeiangaben versuchten gegen 23.47 Uhr der oder die Täter vermutlich, die Eingangstür zunächst mit einem Ziegelstein einzuschlagen. Danach wurden ein bis drei Molotow-Cocktails gegen den Eingangsbereich des G"tteshauses geworfen. Eine Frau aus der Nachbarschaft bemerkte den Feuerschein auf dem Heimweg, kletterte über den etwa zwei Meter hohen Zaun und trat die Flammen aus.

Die Polizei löste eine Großfahndung aus. Widersprüchlichen Angaben zufolge sollen zwei bis vier Personen vom Tatort geflohen sein. Konkrete Hinweise gebe es aber nicht, teilte die Düsseldorfer Polizei mit. Es könne nicht ausgeschlossen werden, dass die Tat aus rechtsextremistischen Kreisen verübt worden sei. Staatsanwalt Joachim Mocken sagte am Nachmittag, die Düsseldorfer Ermittler stünden im engen Kontakt mit dem Bundeskriminalamt, das bisher die Ermittlungen aber nicht übernommen habe.

Kritik an mangelnder Video-Überwachung

Die Auswertung eines Überwachungsvideos hat die Polizei auch nicht viel weitergebracht. Darauf sei lediglich die Frau zu sehen gewesen, die die Flammen ausgetreten hat. Sie habe wohl die Kameraaufnahme ausgelöst, die Täter aber wohl nicht, räumte Polizeisprecher Lothar Sprick am Dienstag Nachmittag ein. Im Gegensatz zu der Frau, waren die Täter wohl nicht über den Zaun gestiegen. Die Synagoge sei auch nicht permanent von Polizeibeamten bewacht worden, sondern nur sporadisch. Mittlerweile sei der Schutz aber verstärkt worden. Oberbürgermeister Erwin hatte zuvor beim Besuch der Synagoge die polizeilichen Schutzmaßnahmen kritisiert.
Quelle und Bild: Düsseldorf Today

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Spontandemonstration an der Synagoge

Demonstration an der Synagoge Rund 500 Menschen haben am Mittag vor der Synagoge in D-Golzheim an einer Spontan-Demonstration teilgenommen. Gegen 18 Uhr hat dann am Rathaus ein Schweigemarsch begonnen, an dem ebenfalls rund 200 Menschen teilnahmen, unter ihnen auch Oberbürgermeister Erwin. Dazu hatte der jüdische Gemeinderat aufgerufen. Der Zug bewegte sich von der Altstadt zur Synagoge.

Quelle und Bild: Düsseldorf Today

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Paul Spiegel mit Paket-Bombe bedroht

Nach Informationen des Kölner "Express" wurde der Präsident des Zentralrates, Paul Spiegel, bereits eine Woche vor dem Anschlag mit einer Bombenattrappe bedroht. In Spiegels Düsseldorfer Büro sei ein Päckchen mit einer Bombenattrappe eingegangen. Auf einem Zettel habe gestanden: "Kommt Zeit, kommt Rat, kommt Attentat." Wer der Absender ist, sei noch unklar. Die Polizei bestätigte die Bombenattrappe, wollte aber keine Einzelheiten nennen. Nach dem Zeitungsbericht untersuchen Bundes- und Landeskriminalamt das Päckchen und den Zettel derzeit auf Spuren. Seit der Drohung werde Spiegel noch schärfer bewacht.
Quelle: Düsseldorf Today

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Spiegel kritisiert Brandanschlag

Zentralratspräsident Paul Spiegel Der Präsident des Zentralrates und ehemalige Vorsitzende des Gemeinderates der jüdischen Gemeinde Düsseldorf, Paul Spiegel, verurteilte die Tat als abscheulichen antisemitischen Anschlag. «Nachdem wieder Anschläge auf Synagogen verübt werden und an Demonstrationen gegen Rechts wie in Düsseldorf nur 700 Menschen teilnehmen, aber bei Demonstrationen gegen die Hundeverordnung Zehntausende, dann ist die Frage erlaubt und sogar wahrscheinlich berechtigt, ob es richtig war und ist, jüdische Gemeinden in Deutschland wieder aufzubauen», sagte Spiegel der dpa am Rande der Einheitsfeiern in Dresden. In Deutschland gibt es 83 jüdische Gemeinden mit rund 85 000 Mitgliedern.

Bundesinnenminister Otto Schily (SPD) hat sich dagegen ausgesprochen, "dass das jüdische Leben sich zurückzieht". Dies wäre die falsche Reaktion auf den Brandanschlag auf die Düsseldorfer Synagoge und "das Schlimmste, wenn die Untaten dazu führten", sagte Schily am Mittwoch im ZDF-Morgenmagazin.
Quelle: Düsseldorf Today

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Innenminister kündigt stärkeren Schutz jüdischer Einrichtungen an

NRW-Innenminister Fritz Behrens kündigte vor dem Hintergrund des Düsseldorfer Brandanschlages eine harte Verfolgung der Täter an. Behrens sicherte Spiegel und Cohn einen verstärkten Schutz jüdischer Einrichtungen zu, wie das Innenministerium in Düsseldorf mitteilte. Er erklärte, der Anschlag setze die Serie fremdenfeindlicher, rassistischer und antisemitischer Gewalttaten fort. "Dies zeigt, dass wir die braune Gefahr nicht ernst genug nehmen können und weiter wachsam bleiben müssen." Er lobte das Eingreifen der jungen Frau an der Synagoge als Beispiel für Zivilcourage und Hilfsbereitschaft.
Quelle: Düsseldorf Today

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Esra Cohn wirft Polizei mangelnden Schutz vor

Der Vorsteher der Jüdischen Gemeinde Düsseldorf, Esra Cohn, hat der Polizei mangelnden Schutz der Synagoge in der nordrhein-westfälischen Landeshauptstadt vorgeworfen. Die Polizei habe es aus Personalmangel abgelehnt, die Synagoge rund um die Uhr zu bewachen, sagte Cohn am Mittwoch im WDR-Hörfunk. In Berlin und Frankfurt gebe es diesen 24-Stunden-Dienst der Polizei. Jetzt habe sich gezeigt, dass er auch in Düsseldorf notwendig sei. Auch Oberbürgermeister Joachim Erwin hatte zuvor beim Besuch der Synagoge die polizeilichen Schutzmaßnahmen kritisiert.
Quelle: Düsseldorf Today

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Anschlag auf Synagoge

Düsseldorf/Weimar (ddp/dpa/NRZ). In der Nacht zu Dienstag ist auf die Düsseldorfer Synagoge ein Brandanschlag verübt worden. Verletzt wurde niemand. Zur gleichen Zeit schändeten Unbekannte die KZ-Gedenkstätte Buchenwald bei Weimar mit Hakenkreuzen. Der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Paul Spiegel, zeigte sich erschüttert. Ihm fehle inzwischen der Glaube, "ob es richtig ist, dass Juden in Deutschland leben; ob es richtig war, hier wieder jüdische Gemeinden aufzubauen". Es sei so viel passiert, dass "wir mehr besorgt sind über das, was uns noch bevor steht". Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche, Kock, fühlte sich an das "dunkelste Kapitel deutscher Vergangenheit" erinnert.

Die Düsseldorfer Synagoge gilt als eine der bestbewachten Einrichtungen der Landeshauptstadt. Zur Tatzeit war laut Staatsanwaltschaft jedoch keine Polizei auf dem Gelände. Der Vorsitzende der jüdischen Gemeinde in Düsseldorf, Esra Cohn, erhob schwere Vorwürfe gegen die Polizei. Eine lückenlose Überwachung werde seit Jahren abgelehnt, zuletzt noch vor wenigen Tagen. Wie die Polizei erst gestern bestätigte, ist Zentralratsvorsitzender Spiegel vorige Woche mit einer Bombenattrappe bedroht worden. Bei dem Paket lag ein Zettel mit den Worten: "Kommt Zeit, kommt Rat, kommt Attentat."Heute werden sich Spiegel, Ministerpräsident Clement und Bundeskanzler Schröder am Tatort zu Gesprächen treffen.
Quelle: NRZ Online

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