Pressebericht vom 21.10.2000
Anti-Nazi-Demo: OB bittet zu kommen
Erwin: Wir müssen was tun!
Düsseldorf. Ernst-Jürgen Albrecht, Pastor und Stadtsuperintendent, ist vom Echo angenehm überrascht: Von den unterschiedlichsten Seiten bekommt er Zusagen, an der Aktion "Düsseldorf gegen rechtsextreme Gewalt" teilzunehmen. Albrecht hatte sich als Moderator angeboten für eine Demonstration vor dem Rathaus am 28. Oktober. Bereits bei der "Gründungsversammlung" hatten die Kirchen, die Jüdische Gemeinde, die Gewerkschaften, CDU, SPD, Grüne, FDP, Heimat und Bürgervereine, Freundeskreis Heinrich Heine, die Düsseldorfer Schützen, usw. vereinbart, gemeinsam gegen die zeitgleich stattfindende Demo der NPD ein Zeichen setzen zu wollen.
Nachdem sich der Oberbürgermeister vor zwei Tagen gemeinsam mit Kirchen, Parteien und Verbänden für eine Anti-Nazi-Demo aussprach, wandte sich der Verwaltungs-Chef am Donnerstag an seine rund 9400 Mitarbeiter: In einem Rundschreiben bittet Erwin alle Mitarbeiter der städtischen Behörden, möglichst am Samstag, 28. Oktober, 12 Uhr vor das Rathaus zu kommen und dort zu zeigen, dass Düsseldorf keine Rechtsextremen will. Der OB in seinem Schreiben: "Wir müssen etwas tun!" Der Brief wird auch über das behördeninterne Intranet verbreitet.
Am Donnerstag wurde ein Organisationskomitee zusammen gestellt, das nun die Einzelheiten der Demo vorbereiten soll. Mit Überraschung wurde in Düsseldorf registriert, dass die Polizei Dortmund eine NPD-Demo für morgen erneut verboten hat. Grund: Als Anmelder der Demo tauchten plötzlich Mitglieder einer verbotenen Organisation auf. Für Düsseldorf hatte der Polizeipräsident ein Verbot für unwahrscheinlich erklärt. Freitag will Erwin mit den Chefs der Städtischen Tochtergesellschaften Messe, Flughafen, IDR, Stadtwerke und Rheinbahn Kontakt aufnehmen. Auch sie sollen, so sein Vorschlag, an ihre Mitarbeiter entsprechende Briefe senden und sie zur Teilnahme auffordern.
Die Idee, die Rheinbahn sollte an diesem Samstag Mittag einen Weg finden, die Demo-Teilnehmer gratis zu befördern, wird vom Oberbürgermeister ausdrücklich begrüßt. Erwin: "Ich hoffe und erwarte, dass z.B. auch die Schützen und die Jonges ihre Mitglieder motivieren, mitzumachen!" Er ist offenbar davon überzeugt, dass dieser Appell Wirkung zeigen wird und glaubt an einen großen Aufmarsch vieler Düsseldorfer vor dem Rathaus und in den umliegenden Straßen der Altstadt.
Das glaubt auch Stadtsuperintendent Ernst-Jürgen Albrecht. Dem Pastor und Moderator der Veranstaltung schwebt weniger eine Demonstration, sondern vielmehr ein fröhliches Treffen vor. Dazu wollen auch DEG und Rhein Fire beitragen, die ebenso wie Fortuna-Fans ihr Kommen zugesagt haben.
Albrecht betont nachdrücklich, dass die Veranstaltung absolut sicher sein wird. Damit will er jene beruhigen, die noch nie an einer Kundgebung teilgenommen haben und Randale fürchten. Von der Polizei hat Albrecht die Zusage, dass man auf jeden Fall aufpassen und den Versuch - von welcher Seite auch immer - die Kundgebung vor dem Rathaus zu stören, unterbinden werde.
Albrecht: "Laden Sie Freunde und Bekannte ein, am 28. Oktober mit vor das Rathaus zu kommen!"
Von Hans Onkelbach
Quelle: Düsseldorf Today
