Ausblick

Was geschah während der Demo am 28.10.2000?
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Viele prominente Redner bei der Kundgebung

Nicht nur 'Scholl' zeigt Gesicht

Düsseldorf. "Wir Bürgerliche sind es nicht gewohnt, in Massen auf die Straße zu gehen - es denn an Karneval. Wir haben eine gewisse Skepsis gegenüber politischen Massenversammlungen. Denn wir haben ein Grundvertrauen in die Institutionen des Staates und erwarten von ihnen, dass sie uns Zumutungen wie z.B. Demonstrierenmüssen, fernhalten."Als Uni-Rektor Prof. Gert Kaiser diesen Satz auf der Bühne vor dem Rathaus formulierte, hatte sich bei Oberbürgermeister Joachim Erwin die größte Sorge verflüchtigt: Er hatte Angst, sozusagen vor leeren Rängen sprechen zu müssen. Länger als zwei Stunden harrten Tausende vor der Bühne, in den Straßen der Altstadt und vor der Videowand auf dem Burgplatz aus. Es schien, als wollten sie jene Lügen strafen, die wie Ministerpräsident Wolfgang Clement im Vorfeld befürchtet hatten, "dass unsere Immunkräfte erlahmt sind".

Clement ging auf der Bühne weiter als erwartet: Er tritt nicht nur gegen ein Verbot der NPD ein, sondern will auch das Verbot "anderer Parteien und Organisationen" im ultrarechten Spektrum geprüft wissen. Clement sprach am Ende der Veranstaltung von einem überragenden Signal. Paul Spiegel, mit langem Beifall begrüßt und auch wieder verabschiedet, sagte, für ihn sei ein Ruck durch Düsseldorf gegangen. Die Versicherung des Ministerpräsidenten, dass sie, die jüdischen Mitbürger, richtig entschieden hätten, als sie Düsseldorf und NRW zur Wahlheimat erkoren, nahm er dankbar entgegen.

Nicht nur Teilnehmer der Demo in der Altstadt waren ergriffen. Dem an der Heine-Hochschule lehrenden Kaiser erging es nicht anders. In einer Rede, die ein persönliches Bekenntnis war und auch so empfunden wurde, lokalisierte er die gefahr: Wenn die NPD so genannte "befreite Zonen" zu einem ihrer Hauptziele erkläre, dann meine sie damit Straßen und Viertel, in denen sie Oberhoheit habe. "Das darf man sich auch hier ganz konkret vorstellen: ein Trupp von sechs bis acht - möglichst schwarz und uniformähnlich gekleideten - jungen Männern, die hier in der Altstadt oder in Bilk oder Flingern die Straße heraufpatrouillieren. Da werden die Menschen zur Seite gehen und es bildet sich eine Gasse. Und niemand wagt ein Wort oder wagt gar, ihnen entgegenzutreten."Welche Chance hätte wohl jener junge in Korea geborene Deutsche, der für die internationale Künstlertruppe des Kinder- und Jugendtheaters seine Heimatverbundenheit bezeugte. Nein, nicht Korea: Deutschland ist seine Heimat.

Oben auf der Bühne hakte sich die Leiterin der Jugendbühne, Barbara Oertel-Burduli, unter. Die Freude eines Afrikaners sei nicht schwarz, hatte Bundestagspräsident Wolfgang Thierse nach Düsseldorf gefaxt. Und unten in der Menge hielten Schüler des Geschwister-Scholl-Gymnasiums ein Transparent hoch: "Das Scholl zeigt Gesicht."Er habe das Gefühl, dass Nachbarn mit Nachbarn jetzt anders sprächen, formulierte Kaiser unter dem Eindruck der Demonstration. Oberbürgermeister Joachim Erwin, der von Teilen der Demonstranten mit Pfiffen empfangen worden war, versicherte: das neue bürgerliche Bündnis werde halten.

Nicht überhört hat er, dass Paul Spiegel, der Vorsitzende des Zentralrates der Juden - ohne Namen oder Parteien zu nennen - vor Politikern warnte, die von Bedrohung durch Ausländer sprächen und dabei zwischen nützlichen Ausländern und Ausländern, die ausnutzen, trennten. "Solche Politiker brauchen wir nicht."In Superintendent Ernst-Otto Albrecht erlebten die Teilnehmer der Demonstration einen Brückenbauer, dem viel Vertrauen entgegen gebracht wird. "Die Stadt", so formulierte ein Mann um die 30, "hat in ihm eine moralische Stimme". Sie sei so laut wegen der leisen Töne, die Albrecht anschlage. Der Pfarrer: "Ich bin überwältigt, dass so viele Menschen unseren Impuls empfangen haben."
Quelle: Düsseldorf Today

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. . . doch die Steine flogen von links

Von Horst Kuhnes
Düsseldorf. Samstag, kurz nach 13 Uhr: Während auf dem Düsseldorfer Burgplatz mehr als 25 000 Menschen ebenso friedlich wie nachdrücklich gegen Braune Tumbheit und Rechte Gewalt demonstrieren, beziehen etwa einen Kilometer weiter Polizisten rund um das NRW-Innenministerium Stellung. Ihre Aufgabe: Die knapp 250 meist kahlköpfigen Rechtsextremen, die dort eine Kundgebung halten dürfen, vor Gewalt bereiten Gegendemonstranten zu schützen.

Gewalt bei einer Demonstration gegen Gewalt? Leider ja: Knapp 100 so genannte Autonome biegen aus der Altstadt in die Haroldstraße ein. Plötzlich laufen 20 bis 30 Vermummte, darunter mehrere Frauen, zu den Straßenbahngleisen, raffen Schottersteine zusammen. Viele tragen Buttons mit einem zerschmetterten Hakenkreuz und der Aufschrift: Stoppt die rechte Gewalt. Wie auf Kommando rennen sie plötzlich zur Polizei-Absperrung, decken die Beamten mit einem Steinhagel ein. Auch Flaschen fliegen.

Dann stürmt die gesamte Gruppe vor, will die Kette der Beamten niederrennen. Als einzelne Polizisten sich mit ihrem Schlagstock wehren, ziehen sich die vermummten Chaoten wieder zurück, beschimpfen nun die Beamten als "Nazi-Schweine". Als berittene Polizisten auftauchen, verschwindet der Spuk so schnell wie er gekommen ist. Es war nicht die einzige Aktion. Der Kölner Polizeiarzt Dr. Hans Reitz: "Zwei Beamte sind durch Steinwürfe schwer verletzt worden, einer mit Verdacht auf Unterarmbruch. Beide müssen ins Krankenhaus."Später kann ein Redner der Rechten selbstzufrieden ins Megafon brüllen: "Wir sind friedlich. Wir haben keine Steine geworfen." Fast alle Passanten, darunter auch Regierungspräsident Büssow, schütteln sorgenvoll den Kopf: "Leider hat der Kerl Recht."
Quelle: WZ Online

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Polizei zufrieden: Auftrag erfüllt

Polizeipräsident Michael Dybowski

Düsseldorf. Es war der größte Polizeieinsatz in Düsseldorf nach dem Krieg - und sicherlich auch einer der schwierigsten. "Wir hatten den Auftrag, drei Demonstrationen zu schützen", bilanzierte Polizeipräsident Michael Dybowski gestern. "Den haben wir erfüllt." Dafür waren 4000 Beamte am Samstag im Einsatz, die Kosten werden auf vier Millionen Mark geschätzt.

Das Bürgerbündnis füllte den gesamtem Marktplatz vor dem Rathaus. Hier mussten die Beamten nicht eingreifen. Ganz anders am Rheinufer, wo der NPD-Vorsitzende des Kreises Neuss als Veranstalter auftrat. 260 Rechtsradikale wurden von Kopf bis Fuß gefilzt und dann über die hermetisch abgeriegelte Rheinuferpromenade in Richtung Innenministerium geführt. Immer wieder versuchten linke Gegendemonstranten, die Sperren an den Zugängen der Promenade zu durchbrechen. Und das gleichzeitig. Dybowski: "Wir hatten eine sehr mobile Einsatzlage."Mehrfach flogen Steine, Flaschen. Gegen Polizisten, Einsatzfahrzeuge und auch den Landtag. Zwei Beamte wurden verletzt, 13 Fahrzeuge beschädigt. Fünf Menschen wurden beim Zusammenstoß eines Streifen- mit einem Rettungswagen verletzt."Das Störerpotenzial lag bei 600 Demonstranten mit zum Teil erheblicher krimineller Energie", sagte Einsatzleiter Wolfgang Bülow. 126 Störer wurden fest- und 115 vorübergehend in Gewahrsam genommen. Gegen 150 Personen gab es Platzverweise. Drei Männer (20, 22 und 26) wurden dem Haftrichter vorgeführt. Die Polizei stellte Messer, Stahlruten, Wurfsterne, Reizstoffspraydosen und Fleischerhaken sicher.31 Festgenomme kommen aus der rechtsradikalen Szene. Bei ihnen fanden sich u.a. Hakenkreuz-Anstecker. Aus ihrem Demo-Wagen wurde "Ruhm und Ehre für die Waffen-SS" skandiert. Das beschäftigt nun die Staatsanwälte.

Wie wohltuend und erfreulich beeindruckend dagegen die Szenerie vor dem Rathaus und auf dem Burgplatz: 25 000 Menschen aus Düsseldorf und Umgebung machten trotz schlechten Wetters unmissverständlich klar: Wir sind die riesige Mehrheit und strikt gegen Rechtsradikale, Gewalt und dumpfe Intoleranz und für Demokratie und Menschlichkeit. Laut sprachen das sechs Redner aus, darunter Ministerpräsident Wolfgang Clement, Paul Spiegel, der Präsident des Zentralrates der Juden in Deutschland und Düsseldorfs OB Joachim Erwin.

Bild: Linke Demo gegen Neonazis: In der Düsseldorfer Innenstadt drohte die Situation zu eskalieren.
Von Alexander Schulte und Uwe-Jens Ruhnau (Text) und Dieter Alsleben (Foto)
Quelle: WZ Online

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Wir wollen die brauen Horden hier nicht

Von Frank Christiansen und Andrea Löbbecke, dpa

Düsseldorf (dpa) - «Wir wollen diese braunen Horden hier nicht. Ihr seid in Düsseldorf unerwünscht.» Das rief Oberbürgermeister Joachim Erwin (CDU) am Samstag den Rechtsradikalen zu, die martialisch in Springerstiefeln und schwarzen Bomberjacken vor das Innenministerium zogen - begleitet vom größten Polizeiaufgebot in der Düsseldorfer Nachkriegsgeschichte.

Rund 25 000 Menschen hatten sich in der Altstadt versammelt, um gegen rechte Gewalt zu demonstrieren. Auf Großplakaten waren in der ganzen Stadt rasierte Kahlköpfe mit der Aufschrift «hohl» versehen worden. In seltener Einmütigkeit hatten Parteien, Kirchen, Unternehmer und Gewerkschaften die Demonstration unterstützt. Busse und Straßenbahnen beförderten die Menschen kostenlos zum Rathaus.

Zu Wasser, zu Lande und aus der Luft versuchten fast 4 000 Beamte, linke Gegendemonstranten und Rechtsextremisten auseinander zu halten. Schon im Vorfeld hatte die Polizei bekannten Rechtsextremisten Hausbesuche abgestattet. Vor ihrem Marsch mussten die kahlköpfigen Teilnehmer penible Leibesvisitationen über sich ergehen lassen.

Linke Organisationen hatten angekündigt, den Aufmarsch der Rechten zu verhindern. Immer wieder versuchten Gruppen aus der linksautonomen Szene, der Rechtsradikalen habhaft zu werden. Mit einem Riegel nach dem anderen verhinderte die Polizei Schlimmeres. Schon in der Nacht waren massenhaft potenzielle Wurfgeschosse aus der Innenstadt entfernt worden. Doch die Beamten konnten nicht verhindern, dass mehrfach Steine flogen, mehrere Polizisten wurden verletzt. Augenzeugen berichteten auch von verletzten Demonstranten.

Unterdessen fühlt sich der Präsident des Zentralrats der Juden, Paul Spiegel, vor den 25 000 Demonstranten an den «Aufstand der Anständigen» erinnert, den Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) nach dem Anschlag auf die Düsseldorfer Synagoge vor drei Wochen am Tatort gefordert hatte. «Düsseldorf ist keine braune Stadt», sagt Spiegel - weder nach dem Bombenanschlag an einem S-Bahnhof mit zehn überwiegend jüdischen Verletzten vor einem Vierteljahr, noch nach dem Brandanschlag auf die Synagoge.«Düsseldorf ist eine ganz normale deutsche Stadt. Das ist das Schlimme», sagt Gert Kaiser, Rektor der Düsseldorfer Universität.
Quelle: WZ Online

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Demonstrationen gegen rechte Gewalt

Düsseldorf/Kassel (dpa) - Weit über 30 000 Menschen haben am Samstag in Düsseldorf und Kassel friedlich gegen rechte Gewalt in Deutschland demonstriert.

Anlass waren Neonazi-Aufmärsche in beiden Städten. Am Rande der Demonstrationen gab es vereinzelt Krawalle. In Düsseldorf versuchten mehrere tausend Beamte beim größten Polizei-Einsatz in der Geschichte der nordrhein-westfälischen Landeshauptstadt, Zusammenstöße zwischen linken und rechten Demonstranten zu verhindern.

Nach einer Kundgebung von 25 000 Menschen in Düsseldorf nahmen die Beamten 30 Demonstranten fest, als sie versuchten, einen Marsch von rund 250 Rechtsradikalen zu verhindern. Nach Angaben der Behörden wurden drei Polizisten nach Steinwürfen verletzt. Augenzeugen berichteten auch von mehreren verletzten Demonstranten.

Auch in Kassel gab es vereinzelte Ausschreitungen, als linke Demonstranten versuchten, zum Ort eines rechten Aufmarsches vorzudringen. Sieben linke Demonstranten wurden in Gewahrsam genommen und zwei Neonazis angezeigt. Der Inhaber eines Geschäftes mit Armeekleidung wurde bei einer Schlägerei verletzt. Sein Schaufenster war eingeworfen und mit Anti-Nazi-Parolen besprüht worden. An der Protestkundgebung gegen das rechte Treffen hatten sich zuvor mehr als 6 000 Menschen beteiligt. Die Demonstration stand unter dem Motto «Eine Stadt steht auf».

NRW-Ministerpräsident Wolfgang Clement (SPD) bekräftigte bei der Düsseldorfer Kundgebung den geplanten Verbotsantrag gegen die rechtsextreme NPD. «Gegenüber Gewalt und Ausländerfeindlichkeit gibt es keine Toleranz», sagte er.

Der Präsident des Zentralrats der Juden, Paul Spiegel, erinnerte an die jüngsten Anschläge und rechtsradikalen Übergriffe in Düsseldorf. «Wir sind die übergroße Mehrheit und lassen uns die Freiheit nicht nehmen, gegen diesen Pöbel aufzustehen.»Die Rechtsradikalen zogen am Rheinufer entlang, begleitet von gellenden Pfiffen und «Nazis Raus»-Rufen. Vor einer Woche hatten rund 10 000 Menschen in Dortmund gegen Rechtsextremismus demonstriert. Auch dabei war es im Anschluss zu Ausschreitungen gekommen, die Polizei nahm mehr als 400 Personen in Gewahrsam.
Quelle: WZ Online

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25.000 Teilnehmer bei Kundgebung gegen Rechts

Düsseldorf (afp). An der Großkundgebung gegen Rechtsextremismus in Düsseldorf haben nach Veranstalterangaben rund 25.000 Menschen teilgenommen. Wie die Polizei mitteilte, kam es bei einer parallel stattfindenden Demonstration gegen Rechts in der nordrhein-westfälischen Landeshauptstadt zu Ausschreitungen.

Teilnehmer des Protestmarsches hätten mit Steinen auf Polizisten geworfen, dabei sei mindestens ein Beamter verletzt worden. Zu den Steinwürfen sei es gekommen, nachdem die Polizei die Demonstranten zurückgedrängt hatte, um einen Zusammenstoß mit dem in der Nähe stattfinden Aufmarsch von Rechtsextremen zu verhindern.

Auf der Großkundgebung, die ebenfalls in der Nähe des Neonazi-Aufmarsches stattfand, ermunterte der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Wolfgang Clement (SPD) die Juden in Deutschland, trotz der antisemitischen Anschläge der jüngsten Vergangenheit im Land zu bleiben. Er rief den Mitgliedern der jüdischen Gemeinde in Düsseldorf zu: "Die Entscheidung, in unserem Land zu leben, die war richtig und die bleibt richtig."Clement bekräftigte, er unterstütze den geplanten NPD-Verbotsantrag. "Natürlich wird das Verfahren in Karlsruhe Zeit in Anspruch nehmen. Aber das darf uns nicht daran hindern, rechtsextremen Verfassungsfeinden den von ihnen beanspruchten öffentlichen Raum zu nehmen." Dies gelte nicht nur für die NPD, vielmehr müsse auch bei anderen Organisationen und Parteien geprüft werden, ob sie sich gegen die Verfassung stellten."Wir sind die übergroße Mehrheit und lassen uns die Freiheit nicht nehmen, gegen diesen Pöbel aufzustehen, sagte der Präsident des Zentralrats der Juden, Paul Spiegel. Spiegel erinnerte an die jüngsten Anschläge und rechtsradikalen Übergriffe in Düsseldorf.
Quelle: NRZ Online

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