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Demo gegen RECHTS - 28.10.2000
Lesen Sie auf diesen Seiten alle Informationen vor, während und nach der Demo, sehen Sie sich die Bilder an und lesen Sie die Reden der Teilnehmer.
- Freie Bus- und Bahn-Fahrt zur Demo (28.10.) [mehr]
- Über 4000 Polizisten schützen die Altstadt (28.10.) [mehr]
- Größter Einsatz der Nachkriegsgeschichte (28.10.) [mehr]
- Größter Polizeieinsatz der Nachkriegszeit (27.10.) [mehr]
- "Braunen Horden die kalte Schulter zeigen" (27.10.) [mehr]
- Kindersammelstelle bei Kundgebung wird eingerichtet (27.10.) [mehr]
- Vorbereitungen für Großdemos am Samstag (27.10.) [mehr]
- Altstadt-Wirte räumen ihre Terrassen (27.10.) [mehr]
- Zur Großdemo freie Fahrt mit der Rheinbahn (27.10.) [mehr]
- Polizei-Chef: Nazis dürfen marschieren (25.10.) [mehr]
- Demo gegen Rechts: Glocken läuten zum Auftakt (25.10.) [mehr]
- Bunte Gruppen, pfiffige Sprüche (25.10.) [mehr]
- Campino demonstriert gegen Nazis (25.10.) [mehr]
- 20.000 zur Demo gegen "rechte Gewalt" erwartet (24.10.) [mehr]
- Anti-Nazi-Demo (23.10.) [mehr]
- Erwin: "Bitte keine Straßenschlachten" (23.10.) [mehr]
- Anti-Nazi-Demo: OB bittet zu kommen (21.10.) [mehr]
- Bürgerbündnis will Zeichen gegen NPD-Demo setzen (20.10.) [mehr]
- Düsseldorf steht gegen Rechts auf (20.10.) [mehr]
Freie Bus- und Bahn-Fahrt zur Demo
Düsseldorf (dto). Die Veranstalter der Kundgebung gegen Faschisten am Samstag ab 9.30 Uhr auf dem Grabbeplatz und ab 12 Uhr auf dem Marktplatz haben einige Tipps für die Teilnehmer zusammengestellt.
Die Besucher sollten auf jeden Fall auf ihre Autos verzichten und auf die Busse und Bahnen der Rheinbahn umsteigen. Von 10 bis 16 Uhr können sie auf allen Linien im Stadtgebiet kostenlos fahren. Die Rheinbahn erklärt dazu: "Nachdem Vorstand und Betriebsrat bereits alle Rheinbahn-Mitarbeiter aufgefordert haben, sich an der Kundgebung zu beteiligen, möchte das Verkehrsunternehmen, in dem Menschen aus 26 Nationen Tag für Tag zusammenarbeiten, hiermit einen weiteren Schritt zur Unterstützung der Gemeinschaftsaktion gegen Menschenverachtung und Gewalt leisten."Der Marktplatz ist am schnellsten von der Haltestelle Heinrich-Heine-Allee zu erreichen. Die Polizei wird je nach Lage einige Straße im Stadtgebiet für den Autoverkehr sperren. Denn für viel Betrieb auf den Straßen wird auch der "lange Samstag" sorgen. Die Geschäfte haben an diesem Tag bis 18 Uhr geöffnet.
Die Veranstalter bitten die Besucher, den Lautsprecher-Anweisungen der Leitstelle in den Rheinbahn-Fahrzeugen und der Veranstalter auf dem Marktplatz unbedingt Folge zu leisten.
Etwa 300 Ordner stehen auf dem Marktplatz und dem benachbarten Burgplatz als Ansprechpartner zur Verfügung, falls es Fragen oder Probleme gbt. Sie sind an den Schildern "Ordner" zu erkennenb. Auch 40 Mitarbeiter des städtischen Ordnungs- und Servicedienstes in Uniformen helfen den Besuchern bei Problemen und sind bereit, ordnend einzugreifen. Auch wenn es auf dem Marktplatzt richtig voll wird, was sich die Veranstalter natürlich wünschen: Nicht drängeln oder schubsen.
Quelle: Düsseldorf Today
Über 4000 Polizisten schützen die Altstadt
Die Warnung des Polizei-Einsatzleiters Wolfgang Bülow ist deutlich: Für Krawallmacher gibt es heute kein Pardon. Zum ersten Mal seit vielen Jahren lässt die Polizei Wasserwerfer auffahren, werden 4000 Polizisten während des Aufmarsches der Neonazis an der Uferpromenade Demonstranten und Gegendemonstranten auseinanderhalten. Es ist der größte Polizeieinsatz seit Kriegsende. Sogar aus Bayern, Thüringen und Sachsen-Anhalt kommt Verstärkung. Das Präsidium befürchtet, dass "Gewaltbereite" die Konfrontation suchen.
Während heute gegen 12 Uhr etwa 700 Rechtsextremisten an der Rheinuferpromenade entlangziehen, erwartet das breite Bürgerbündnis auf dem Burg- und Marktplatz über 20 000 Gegendemonstranten. Bereits vorher, gegen 9.30 Uhr, wollen sich 1000 bis 3000 Menschen auf der zweiten vom AStA angemeldeten Demo gegen Neonazis versammeln.
Bülow betonte, dass alle drei Kundgebungen "rechtmäßig" angemeldet seien und deshalb von der Polizei geschützt werden müssen. "Wir sind zur strikten Neutralität verpflichtet", betonte der leitende Polizeidirektor. Antifaschistische Gruppen fordern dazu auf, den Aufmarsch der Neonazis zu verhindern. Nach NRZ-Informationen sollen die Rechtsextremen mit Bussen zum Sammelort nahe der Reuterkaserne gebracht werden. Bereits dies wollen Gegendemonstranten durch Blockade-Aktionen verhindern. Die Rechtsextremisten warnen ihre Anhänger im Internet vor "Gegenaktionen". Die Polizei rechnet damit, dass gewaltbereite Demonstranten auch aus anderen Städten des Bundesgebietes anreisen.
Das Präsidium kündigte intensive Personen-Kontrollen in der Altstadt an. Auch Haftrichter und Staatsanwälte werden vor Ort sein, um bei Straftaten sofort einschreiten zu können. Gefangenen-Sammelstellen sind in Düsseldorf und Essen eingerichtet worden.
Ein Verkehrschaos in der City wird es nach Einschätzung des Präsidiums heute nicht geben. Nur wenige Hauptstraßen müssen gesperrt werden. Die Rechtsextremisten marschieren auf der Promenade zum Innenministerium und dann wieder zurück. Bereits in den frühen Morgenstunden werden die Haroldstraße und die Neusser Straße gesperrt, wenig später die Straßenbahn-Linien 704 und 709 umgeleitet. Je nach Lage plant die Polizei kurzfristig weitere Abriegelungen. Vor allem in der Altstadt wird heute die Suche nach einem Parkplatz schwierig sein.
Weitere Auskünfte erteilt die Polizei ab acht Uhr früh unter der Rufnummer des Bürgertelefons Tel: 870 5555. Infos auch im Internet: www.polizei.nrw.de/duesseldorf.
Von Michael Mücke
Quelle: NRZ Online
Größter Einsatz der Nachkriegsgeschichte
Düsseldorf. "Das ist für die Polizei der größte Einsatz der Nachkriegsgeschichte." Einen Tag zuvor umriss am Freitag der Leitende Polizeidirektor Wolfgang Bülow die Dimensionen der Aufgabe. Sogar aus Bayern, Sachsen-Anhalt und Thüringen reisen Hundertschaften an, um am Samstag den Aufmarsch der Rechten und die beiden Gegen-Demos zu schützen. Über die Einsatzstärke wollte Bülow nichts sagen - sie soll bei etwa 3600 Polizisten liegen. "Allein die Verpflegung kostet eine sechsstellige Summe."Es soll in jedem Fall verhindert werden, dass es zu gewalttätigen Ausschreitungen kommt. Laut Bülow, der zugleich Einsatzleiter ist, gibt es Hinweise, dass "radikale Extremisten" aus mehreren Städten anreisen werden. Rund um den Innenstadtbereich wird es Kontrollen geben. Auch Wasserwerfer stehen bereit, die die Düsseldorfer Polizei sich aus Wuppertal leihen musste. Bülow: "Gegen potenzielle und tatsächlich Gewalttäter wird konsequent vorgegangen." Staatsanwälte und Richter sind in Bereitschaft, um Randalierer umgehend aus dem Verkehr zu ziehen.
Befürchtet wird vor allem, dass Gewalttäter aus dem linken Spektrum -ähnlich wie in Dortmund - der Polizei Arbeit machen. Sie sollen auf keinen Fall Zugang zur Rheinuferpromenade haben, wo die Rechten entlang marschieren. Bülow: "Wir schließen nicht aus, dass es dann zu Ersatzhandlungen kommt." Das heißt, die Extremisten stören möglicherweise die Demonstration der Bürgerlichen am Rathaus oder lassen ihrer Wut anderswo in der Stadt freien Lauf. Trotzdem ist Bülow überzeugt, dass es nicht zum Chaos in der Stadt kommen wird. Niemand solle sich von einem Einkaufsbummel in der Innenstadt abhalten lassen: "Der 28. Oktober soll als sonniger Tag in Erinnerung bleiben."Der Verkehr soll so wenig wie möglich beeinträchtigt werden. Bereits am frühen Morgen werden die Neusser Straße und die Haroldstraße dicht gemacht. Möglich sei, dass weitere Sperrungen "situationsbedingt" erfolgen. Der Zugang zum Rheinufer und zum Burgplatz soll auch während der Demo möglich sein. Doch die Passanten werden intensiv kontrolliert.
Bereits vor einigen Tagen wurden Halteverbotsschilder in der Mühlen-, der Schulstraße und am Rathausufer aufgehängt. Am Freitag bauten bereits Polizisten aus Köln Absperrgitter auf dem Burgplatz und zwischen Uerige und Altem Hafen auf. Auch der Bundesgrenzschutz am Hauptbahnhof ist gerüstet: Eine Hundertschaft (110 bis 120 Mann) aus St. Augustin sind als Verstärkung eingetroffen. Die Feuerwehr hat jede Wache um zwei Mann und einen Rettungswagen aufgestockt, die Hilfsdienste verstärken die Wache Hüttenstraße.
Von Dieter Sieckmeyer und Tanja Wolf (Text) und Dieter Alsleben (Foto)
Bild: Oberbürgermeister Erwin und Stadtsuperintendent Albrecht (v. re.) präsentieren neue Plakate für Zivilcourage - passend zum Anlass.
Quelle: WZ Online
Größter Polizeieinsatz der Nachkriegszeit
Düsseldorf. Die Stadt Düsseldorf bereitet sich auf ihren größten Polizeieinsatz der Nachkriegszeit vor. Anlass sind befürchtete Ausschreitungen gewalttätiger Rechts- und Linksradikaler im Zusammenhang mit drei geplanten Demonstrationen an diesem Samstag.
Insgesamt werden 25.000 Demonstranten erwartet, darunter auch gewaltbereite Gruppen aus anderen Bundesländern, berichtete die Polizei am Freitag. Mehrere hundert Rechtsradikale werden zu einem Marsch entlang des Rheinufers erwartet. Ein Bürgerbündnis aus Kirchen, Parteien und zahlreichen anderen Organisationen will dagegen 20 000 Menschen zu einer Demonstration gegen "rechte Gewalt" mobilisieren. Der Studentenausschuss der Düsseldorfer Universität und linke Gruppen haben zu einer weiteren Kundgebung aufgerufen.
Tausende Polizisten aus NRW, Bayern, Thüringen und Sachsen-Anhalt werden in der Landeshauptstadt zusammengezogen."Wir werden mit aller Konsequenz gegen potenzielle Gewalttäter vorgehen", warnte ein Polizeisprecher. Schon im Vorfeld werde es Kontrollen geben, einschlägig bekannte Gewalttäter könnten mit Hausbesuchen rechnen. Linke Gruppen haben angekündigt, den genehmigten Aufmarsch von Rechtsextremisten verhindern zu wollen. Die Polizei sei rechtlich verpflichtet, alle drei Kundgebungen zu schützen. Am vergangenen Wochenende hatten in Dortmund rund 20.000 Menschen friedlich gegen rechte Gewalt demonstriert. Im Anschluss an die Kundgebungen war es vereinzelt zu Ausschreitungen gekommen.
Quelle und Bild: Düsseldorf Today
"Braunen Horden die kalte Schulter zeigen"
Düsseldorf (dpa/lnw). Die Düsseldorfer Großdemonstration gegen rechte Gewalt soll am Samstag doch auf dem Marktplatz stattfinden. "Das ist unsere gute Stube. Hier wollen wir zeigen, dass wir keine Nazis haben wollen", sagte Veranstalter Ernst-Jürgen Albrecht von der evangelischen Kirche am Donnerstag in Düsseldorf.
Oberbürgermeister Joachim Erwin (CDU) verwies zudem auf die bessere Infrastruktur rund um das Rathaus. Im Hofgarten sei die Großdemo gar nicht durchführbar. Polizeipräsident Manfred Dybowski hatte am Dienstag vorgeschlagen, die Demonstration in den Hofgarten zu verlegen, um Zusammenstöße mit Rechtsextremen zu verhindern, die zeitgleich in der Altstadt demonstrieren wollen.
Erwin rief alle Demonstrationsteilnehmer auf, jeden Kontakt mit den "braunen Horden" zu vermeiden. "Wir wollen keine Krawalle haben." Stattdessen sollten die Rechtsextremen die Ablehnung der Bevölkerung spüren, wenn sie durch die Stadt marschierten. "Wir zeigen denen die kalte Schulter", sagte Albrecht.
Die Rheinbahn will die Demonstrationsteilnehmer von 10 bis 16 Uhr kostenlos zum Marktplatz bringen. Das Angebot gelte für alle Rheinbahn-Linien in der Stadt. Bis zu 25. 000 Demonstranten werden erwartet.
Uni-Radio live
Am Samstag wird das Uni-Radio (UKW 97,1MHz) von 10 bis 14 Uhr live vom Naziaufmarsch und den antifaschistischen Aktionen berichten. Wer keinen Radioempfänger mit auf die Demonstration bringen kann, der erhält Informationen über die aktuelle Situation über das Info-Telefon des Bündnis gegen Rechts unter 0211/358997.
Die Düsseldorfer Polizei bietet auf ihren Internetseiten derweil die Marschroute der Nazis an (http://www.polizei.nrw.de/duesseldorf/demo/zugweg.jpg). Der rote Kreis markiert auf der Karte dabei den Ort der Gegendemonstration, die um 12 Uhr beginnt. Etwas weiter nordöstlich ist der Grabbeplatz zu finden, auf dem bereits um 9.30 Uhr eine antifaschistische Demonstration beginnt.
Quelle: Düsseldorf Today
Kindersammelstelle bei Kundgebung wird eingerichtet
Düsseldorf (dto). Auf der Kundgebung "Düsseldorf gegen rechte Gewalt" am 28. Oktober, wird es eine Sammelstelle für Kinder geben, die ihre Eltern verloren haben. Im Stadtgebiet wird die Polizei lageangepasste Sperrungen in verschiedenen Straßen einrichten.
Die Sammelstelle für Kinder befindet sich vor dem Gebäude Marktplatz 5, Zugang über die Rheinstraße. Die Kindersammelstelle wird von Helfern des Deutschen Roten Kreuzes betreut.
Konkrete Erkenntnisse hinsichtlich Straßensperrungen im Stadtgebiet gibt es nicht. Laut Auskunft der Polizei wird es im Stadtgebiet Sperrungen geben, die lageangepasst in verschiedenen Straßen vorgenommen werden.
Quelle: Düsseldorf Today
Vorbereitungen für Großdemos am Samstag
Düsseldorf. "Die nächste Zusammenkunft der Düsseldorfer Jonges ist am Samstag um 12 Uhr vor dem Rathaus" - klare Ansage des größten Heimatvereins der Stadt an alle Mitglieder. Immer mehr Organisationen rufen zur Großdemonstration "Düsseldorf gegen rechte Gewalt" auf. Die Düsseldorfer SPD hat landesweit via Internet ihre Genossen mobilisiert und rechnet "mit einer Riesenbeteiligung". Die SPD trifft sich am Samstag um 11 Uhr am Jürgensplatz, um von dort zur Kundgebung zu ziehen. Zur gleichen Zeit kommen die Gewerkschafter des DGB vor dem DGB-Haus an der Friedrich-Ebert-Straße zusammen. Auch Stadtsportbund und Ring christlich-demokratischer Studenten (RCDS) haben gestern erneut ihre Mitglieder zum Protest gegen Extremismus aufgerufen. Unterdessen hat sich die Vollversammlung der Studentenschaft hinter den Vorstand des Allgemeinen Studentenausschusses (Asta) gestellt, der gemeinsam mit linken Gruppen schon für 9.30 Uhr zu einer Demonstration auf dem Grabbeplatz aufruft.
Zu dieser Kundgebung, die sich gegen den angemeldeten Aufmarsch von NPD und so genannten freien Kameradschaften richtet, wollen auch die "Toten Hosen" "als Privatpersonen" kommen. Nach einem Gespräch mit den Anmeldern hat die Polizei diese Kundgebung gestern Nachmittag genehmigt.
Quelle: Düsseldorf Today
Altstadt-Wirte räumen ihre Terrassen
Wegen des Aufmarsches der Neonazis und der Gegendemos müssen die Altstadt-Wirte am Samstag ihre Terrassen räumen. Dies verfügte Verkehrsdezernent Werner Leonhardt aus "Gründen der Gefahrenabwehr". Erst gestern informierte die Stadt die Wirte. Die Reaktionen: Verärgerung und Unverständnis. Einige Lokale werden jetzt ganz geschlossen.
Bisher haben sich Stadt und Polizei mit Mitteilungen über die Demo der Rechtsextremisten zurückgehalten: Das Präsidium wollte offiziell nicht mal die Marschroute nennen. (Die Rechtsextremisten versammeln sich am 28. Oktober um 12 Uhr am Rheinufer, Höhe Reuter-Kaserne, ziehen an der Promenade zum Innenministerium - und dann den gleichen Weg wieder zurück zur Abschlusskundgebung.) Und die Stadt wollte gestern nicht im Detail sagen, welche Straßen dicht gemacht werden - von den Sicherheitsabperrungen der Polizei ganz zu schweigen. Anwohner, die sich beispielsweise um ihr abgestelltes Fahrzeug sorgen, müssen das Bürgertelefon der Polizei (Tel: 870 5555) anrufen, um mehr zu erfahren. Erst heute wird das Präsidium auf einer Pressekonferenz informieren.
Vor allem die Wirte an der Rheinuferpromenade sind verärgert. Robert S. Lazarevic, Geschäftsführer von "Marcel´s" hat gerade die Verfügung von der Stadt bekommen. Darin wird den Wirten "untersagt" die Terrassen am Unteren Werft, auf der Promenade und in der Altstadt zu nutzen. Und: Sämtliche Stühle, Tische, Sonnenschirme, Blumenkübel und Windschutz-Ständer müssen abgeräumt werden. "Ich bin stinksauer", empört sich Lazarevic. "Dafür haben wir nur noch 30 Stunden Zeit. Wie soll das gehen? Ich muss einen Spediteur holen."Erst vor einer Woche hat der Kneipen-Chef zwei Polizeibeamte gefragt, ob er das Geschäft schließen sollte. Aber er bekam keine Antwort. "Keiner hat mit uns gesprochen. Und nun flattert so ein Schreiben herein."Dirk Metzner, Geschäftsführer des "garden" befürchtet Umsatzeinbußen in vier- bis fünfstelliger Höhe. "Wir schließen am Samstag, weil wir unsere Gäste und unser Personal schützen wollen", erklärte er. Seine Kritik: "Wenn die Stadt nicht in der Lage ist, die Demo der Rechten zu unterbinden, die eine Gefahr für die Öffentlichkeit darstellt, dann habe ich dafür kein Verständnis." Schon vor Tagen hätten ihm Polizisten gesagt, dass die Chance für Besucher, am Samstag auf die Promenade zu kommen, wegen der Absperrungen "gleich Null ist."Doch davon wissen die Mitarbeiter im Umwelt-Informationszentrum am Unteren Werft nichts. "Wie bitte? Hier gehen die Neonazis entlang? Das hat uns noch keiner gesagt", wundert sich eine Mitarbeiterin und erschrickt. "An diesem Tag haben wir doch geöffnet und die Kinder für einen Fluss-Quiz eingeladen..."
Braham Sutton, Sprecher der Altstadt-Wirte, beziffert den Schaden auf mehrere hunderttausend Mark - wegen der Umsatzeinbußen und des Negativ-Images. "Wir haben den verkaufslangen Samstag und eine große Messe. Aber das Geschäft wird durch wenige hundert Skinheads kaputtgemacht. Die haben schon jetzt ihr Ziel erreicht."
Von Michael Mücke
Quelle: NRZ Online
Zur Großdemo freie Fahrt mit der Rheinbahn
Von Uwe-Jens Ruhnau
Düsseldorf. Dieser Samstag wird für Düsseldorf turbulent. 9.30 Uhr linke Demo am Grabbeplatz, ab 12 Uhr Großkundgebung gegen rechte Gewalt am Rathaus - und zur gleichen Zeit Aufmarsch der Rechtsextremisten am Rheinufer. Die Polizei ist mit über 3000 Beamten im Einsatz und martialisch gerüstet. Die Mühlenstraße ist für Autos dicht, weitere Sperrungen sind möglich. Also: Wer mit dem Auto in die Stadt kommt, ist selbst schuld."Ich danke der Rheinbahn, dass sie von 10 bis 16 Uhr im ganzen Stadtgebiet kostenlos fährt", lenkte Oberbürgermeister Erwin gestern den Blick auf die richtige Alternative.
Stadtsuperintendent Ernst-Jürgen Albrecht, Initiator des Bürgerbündnisses, geht mittlerweile fest von 20 000 Teilnehmern an Rathaus und Burgplatz aus. Wenn das Wetter mitspielt. "Es soll sich aber die Sonne blicken lassen", gab sich der Pfarrer optimistisch. Und obgleich das Aufgebot der Ordnungshüter auch skeptisch machen kann: "Die Polizei hat uns zugesichert, dass in unserem Bereich praktisch kein Risiko entsteht."Die Veranstalter der Großdemo sind gut vorbereitet: Es gibt Durchsagen in der Rheinbahn und Lautsprecherwagen am Tor zur Altstadt, an Rathaus und Burgplatz sind 300 Ordner sowie 40 Mitarbeiter des Ordnungs- und Servicedienstes im Einsatz. Sanitäter sind unterwegs, im Gebäude Marktplatz 5 (Zugang via Rheinstraße) ist ab 12 Uhr eine Kindersammelstelle eingerichtet.
Polizeiführer und Staatsanwälte sind ab 9.30 Uhr am Grabbeplatz, wo Antifa und Asta demonstrieren. Aktiver Widerstand gegen den rechtsextremen Umzug ist aus dieser Gruppe zu erwarten. Die Staatsanwälte entscheiden, ob die Polizei schon an der Kunstsammlung einschreitet. Die Neonazis wollen sich an der Oberkasseler Brücke treffen und am Rheinufer entlang zum Innenministerium ziehen. Dort findet eine Zwischen- und nach dem Rückweg an der Brücke die Abschlusskundgebung statt.
Die Anwohner an Rathaus und Mannesmannufer bitten Albrecht und Erwin: "Fenster schließen, Rollläden runter, Gardinen zuziehen. Die können demonstrieren wem sie wollen aber nicht uns." Erwin hatte dem Polizeipräsidenten vorgeschlagen, die Neonazis durch den Rheinufertunnel zu schicken aber das hätte vor Gericht keinen Bestand gehabt.
Quelle: WZ Online
Polizei-Chef: Nazis dürfen marschieren
Mit knappen Worten teilte Polizeipräsident Michael Dybowski seine Entscheidung mit. Er wird die von Rechtsextremisten geplante Demo am 28. Oktober auf der Rheinufer-Promenade nicht verbieten: "Wir gehen von einer friedlichen Versammlung aus." Verbotsgründe sieht er nicht, sagt aber auch: "Es gibt gewaltbereite Extremisten, die die Konfrontation suchen."Deshalb wird die Polizei mit einem massiven Aufgebot versuchen, Demonstranten und Gegendemonstranten zu trennen. Für Samstag wurden gleich drei Kundgebungen angemeldet: Um 12 Uhr versammeln sich etwa 500 Rechtsextremisten an der Oberkasseler Brücke, um an der Promenade zum Innenministerium zu marschieren.
Als Reaktion auf die angekündigte Neonazi-Demo haben das von Stadtsuperintendent Ernst-Jürgen Albrecht initiierte Bürgerbündnis gegen rechte Gewalt und der AStA zu zwei Gegenkundgebungen aufgerufen. 20 000 Menschen erwartet das Bündnis um 12 Uhr auf dem Markt- und Burgplatz. Der AStA und antifaschistische Gruppen meldeten 3000 Teilnehmer zur zweiten Gegendemo um 9.30 Uhr auf dem Grabbeplatz an. Dorthin kommen auch die "Toten Hosen" als "Privatpersonen", um "aktiv zu versuchen, den Aufmarsch der Neonazis zu verhindern".
Gerade um diese Demonstration kam es im Vorfeld zu einem Eklat. Die Staatsanwaltschaft prüft, ob gegen den Anmelder, den AStA-Vorsitzenden Ralf Krüger, ein Ermittlungsverfahren wegen Verstoßes gegen das Versammlungsgesetz eingeleitet werden muss. Der Grund: Krüger hatte in einem WDR-Interview gefordert, den Marsch der Rechtsextremisten durch Blockaden zu verhindern. Für die Polizei kam der AStA-Vorsitzende damit als Ansprechpartner für das gemeinsame Kooperationstreffen nicht mehr in Frage. Wegen des Verfahrens gegen den Anmelder wäre es "zwingend" zu einer Verbotsverfügung gekommen, gab Polizeidezernent Peter Schwarz zu bedenken."Ich finde es irritierend, dass man wegen meiner Äußerungen unsere Demonstration verzögern will", kritisierte Krüger. Der AStA-Vorstand sprach von "Einschüchterungsversuchen" der Polizei, lenkte aber trotzdem ein: Zum zweiten Treffen mit der Polizei wird heute ein anderer Anmelder kommen. Krüger betonte: "Wir wollen die Kooperation mit der Polizei."Sorgen bereitete dem Polizeipräsidenten auch der Kundgebungsort für die Demonstration des Bürgerbündnisses in der Altstadt. "Bei der großen Teilnehmerzahl kann es dort eng werden." Der Vorschlag von Dybowski, die Kundgebung in den Hofgarten zu verlagern, wurde vom Stadtsuperintendenten Albrecht nicht akzeptiert. "Wir wollen im Herzen der Stadt Flagge zeigen", beharrte er. Dybowski akzeptierte, appellierte aber an die Disziplin der Teilnehmer, damit es nicht zu einem gefährlichen Gedränge komme. Die Rednertribüne wird vor dem Rathaus aufgestellt. Auf dem Burgplatz können die Sprecher auf einer Großleinwand betrachtet werden. Die Liste der Zusagen für die Demo wird immer länger: von der IHK und der Düsseldorfer Unternehmerschaft bis zur "Solidaritätsgemeinschaft Düsseldorfer Zahnärzte". Zum Protest sollen alle Kirchenglocken läuten.
Gedränge?
Von Michael Mücke
Quelle: NRZ Online
Demo gegen Rechts: Glocken läuten zum Auftakt
20.000 Teilnehmer erwartet, darunter auch die Toten Hosen
Düsseldorf (RP/dto). Die Glocken von den über 100 Kirchen in Düsseldorf werden läuten, wenn rund 20.000 Menschen am kommenden Samstag in die Altstadt zum Rathaus und zum Burgplatz strömen, um ein Zeichen gegen rechtsextreme zu setzen. Das Geläut von 11.45 bis 12 Uhr soll letzte Einladung des Bürgerbündnisses zur Kundgebung "Düsseldorf gegen rechte Gewalt" sein und zugleich zum Frieden mahnen. "Denn die Kundgebung ohne Gewalt klar machen, dass wir braune Horden nicht in Düsseldorf haben wollen", betonte Stadtsuperintendent Ernst-Jürgen Albrecht als Moderator des Bürgerbündnisses.
Verfechter von rechtsextremen Gedankengut werden zum gleichen Zeitpunkt durch Düsseldorf laufen. Eine vor Wochen beantragte Demonstration ist am Dienstag von der Polizei genehmigt worden, "weil auch nach Dortmund keine Verbotsgründe erkennbar waren", so Polizeipräsident Michael Dybowski. 500 Teilnehmer werden erwartet.
Genehmigt ist auch die Kundgebung des Bürgerbündnisses in der Altstadt, auf der unter anderem NRW-Ministerpräsident Wolfgang Clement, der Vorsitzende des Zentralrates der Juden, Paul Spiegel, OB Joachim Erwin und Albrecht sprechen werden. Weil es vor dem Rathaus wahrscheinlich zu eng wird, ist auf der Burgplatz miteinbezogen. Dort steht eine Videowand.
Bereits um 9.30 Uhr soll eine Demo gegen Rechts am Grabbeplatz beginnen, beantragt vom Asta der Universität. Dort haben sich auch Campino und die Toten Hosen angekündigt. "Wir selbst werden als Privatpersonen teilnehmen, um aktiv zu versuchen, den Aufmarsch der Neonazis zu verhindern", so Campino.
Die Polizei hat dafür gesorgt, dass die Marschroute und die Kundgebung keine Berührungspunkte haben. Auch der Einkauf am langen Samstag auf Königsallee und Schadowstraße werde wohl nicht beeinträchtigt.
Quelle: Düsseldorf Today
Bunte Gruppen, pfiffige Sprüche
Großer Zulauf zur Demo / Wunsch des Bündnisses
Düsseldorf. "Wir sind froh über den Erfolg, sind dankbar für die breite Zustimmung." Das Bürgerbündnis um Stadtsuperintendent Ernst-Jürgen Albrecht hat nach den vielen Zusagen die Erwartungen an die Kundgebung deutlich nach oben auf 20 000 Teilnehmer korrigiert.
Organisatorisch fühlt sich das Bündnis gewappnet, weil die Stadtverwaltung ein acht Köpfe starkes Team für die Vorbereitung abgestellt hat. Es sorgt beispielsweise dafür, dass auf dem Burgplatz eine Videowand die Kundgebung vom Marktplatz überträgt, dass Lautsprecher in der Altstadt das Geschehen miterleben lassen. Die Organisatoren bitten die Teilnehmer, mit Bus und Bahn zu kommen. Per Auto gebe es kaum ein Durchkommen. Am meisten freut Albrecht, dass der Rabbiner Michael Goldberg die Sabbatpflicht aufgehoben hat, damit Mitglieder der jüdischen Gemeinde an der Kundgebung teilnehmen können. Und viele andere Zusagen liefen inzwischen ein. Industrie- und Handelskammer sowie Handwerkskammer haben nach anfänglichem Zögern ihre Mitglieder aufgerufen. Einzelhandelsverband und Altstadtgemeinschaft unterstützen ausdrücklich die Kundgebung und fordern zur Teilnahme auf, ebenso die Unternehmerschaft.
Der Vorsitzende des Ausländerbeirats Metin Demirtürk will jetzt mit Hilfe der Vorsitzenden von ausländischen Vereinen alle Düsseldorfer mit fremden Pass mobilisieren. "Jeder fünfte Einwohner in der Landeshauptstadt ist Ausländer", sagte Demitürk. Sein Wunsch: "Wenn am Samstag jeder fünfte Demonstrant ein Ausländer ist." Rund 113 000 Sportler aus 380 Vereinen sind durch den Stadtsportbund (SSB) aufgerufen. Auch die Rheinbahn mobilisiert ihre Mitarbeiter.
Das Unternehmen, in dem Menschen aus 26 Nationen arbeiten, möchte "hiermit einen Beitrag für eine weltoffene, tolerante und friedfertige Stadt Düsseldorf leisten". Treffpunkt ist um 11 Uhr vor dem DGB-Haus, Friedrich-Ebert-Straße. Die Schülerorganisation "Weiße Rose" hat im Internet einen chatroom eingerichtet, damit junge Leute ihre Erfahrungen mit Rechtsextremen austauschen und Hilfen zum Ausstieg aus der Szene bekommen. Die Caritas beteiligt sich unter dem Motto "Mit uns leben, ohne Angst". Albrecht wünscht sich viele Plakate mit pfiffigen Sprüchen gegen rechte Gewalt, damit ein buntes Gruppenbild sichtbar ist.
Quelle: Düsseldorf Today
Campino demonstriert gegen Nazis
Düsseldorfer Punk-Combo kommt höchstpersönlich zum Grabbeplatz
Düsseldorf (dto/dpa). Die Liste der Prominenten, die an der Demonstration gegen die Faschisten am Samstag ab 9.30 Uhr teilnehmen wollen, wird immer länger. Nun haben auch die Musiker der Toten Hosen angekündigt. Veranstaltungsort bleiben weiterhin der Grabbeplatz und der Rathausplatz. Polizeipräsident Michael Dybowski hatte am Dienstag vorgeschlagen, den Ort der Demo vom Rathausplatz in den Hofgarten zu verlegen.
In einer Presseerklärung stellen Campino und seine Freunde klar Stellung gegen die Nazis. Dort heißt es unter anderem: "Wir können jedem Düsseldorfer Bürger nur raten, sich an diesen (Demonstrationen) zu beteiligen und begrüßen, dass ein breites Bündnis quer durch alle Parteien und Bevölkerungsschichten gegen diesen Aufmarsch demonstriert und Stellung bezieht.""Wir selbst werden am 28.10. als Privatpersonen an der unter anderem vom Asta der Universität Düsseldorf angemeldeten Demonstration teilnehmen, die um 9:30 Uhr am Grabbeplatz beginnt, um aktiv zu versuchen, den Aufmarsch der Neonazis zu verhindern."Auch der Vorstand und der Betriebsrat der Rheinbahn haben ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aufgefordert, sich an der Kundgebung zu beteiligen. Als Unternehmen mit Mitarbeitern aus bis zu 26 Nationen, möchte die Rheinbahn einen Beitrag für eine weltoffene, tolerante und friedfertige Stadt Düsseldorf leisten.
Am Dienstag hatte Polizeipräsident Michael Dybowski vorgeschlagen, die Großdemonstration vom Rathausplatz in den Hofgarten zu verlegen. Die Polizei wollte so Zusammenstöße mit Linksautonomen und Rechtsextremen verhindern, die zeitgleich in der Altstadt demonstrieren wollen.
Düsseldorfs Oberbürgermeister Joachim Erwin (CDU) kritisierte den Vorschlag des Polizeipräsidenten als unhaltbar. "Es kann nicht sein, dass Linksautonome und braune Horden die Altstadt nutzen dürfen, die Demokraten sich aber nicht vor dem Rathaus versammeln können, sondern in den Hofgarten abgeschoben werden." Am Nachmittag wurde festgelegt, dass die Kundgebung wie geplant am Grabbeplatz stattfinden wird.
Quelle und Bild: Düsseldorf Today
20.000 zur Demo gegen "rechte Gewalt" erwartet
Erwin fordert gesamte Verwaltung zur Teilnahme
an Kundgebung gegen "rechte Gewalt" auf
Düsseldorf (dpa/dto). Zu einer Großdemonstration gegen rechte Gewalt werden an diesem Samstag in Düsseldorf rund 20 000 Menschen erwartet. Das teilte die evangelische Kirche als Mitveranstalter am Montag auf Anfrage mit. Ein breites Bündnis gesellschaftlicher Gruppen hat zu der Kundgebung aufgerufen. Mit der Demonstration solle ein friedliches Zeichen "gegen braune Umtriebe" gesetzt werden. Die Landeshauptstadt dürfe kein Spielfeld der braunen Szene werden.
Düsseldorfs Oberbürgermeister Joachim Erwin forderte in einem Rundschreiben die fast 10.000 städtischen Bediensteten auf, an der Demonstration teilzunehmen. Am vergangenen Samstag hatten bereits rund 20.000 Menschen in Dortmund gegen rechte Gewalt und Fremdenfeindlichkeit demonstriert. Am Montag hat auch der Einzelhandelsverband Düsseldorf zur Unterstützung des Bürgerbündnisses gegen Rechts aufgerufen. In einem Rundschreiben forderte der Verband die Düsseldorfer Einzelhändler dazu auf am 28. Oktober" mit anderen Bürgerinnen und Bürgern vor dem Rathaus dafür einzutreten, dass Düsseldorf eine freie und weltoffene Stadt bleib". Den Geschäften soll es aber selbst überlassen werden, ob sie mit kompletter Belegschaft oder nur mit einer Delegation an der Demonstration teilnehmen. "Wir wollen für diesen Samstag, aber nicht zur Schließung der Geschäfte aufrufen", sagte ein Verbandssprecher.
In Düsseldorf waren bei einem Bombenanschlag Ende Juli zehn Ausländer teilweise lebensgefährlich verletzt worden. Ein ungeborenes Kind wurde getötet. Anfang Oktober warfen Unbekannte Brandsätze auf die Düsseldorfer Synagoge. In beiden Fällen wird ein rechtsextremer Hintergrund nicht ausgeschlossen. In mehreren weiteren Fällen attackierten Rechtsradikale in den vergangenen Monaten in Düsseldorf ausländische Mitbürger. Auf Veranstaltungen der Stadt und von Initiativen gegen Extremismus tauchten mehrfach Rechtsradikale auf.
Quelle: Düsseldorf Today
Anti-Nazi-Demo
Düsseldorf. Der Kreis der Teilnehmer an der Anti-Nazi-Demo kommenden Samstag (12 Uhr, vor dem Rathaus) wird bunter: Am Freitag hat das komplette Ensemble des Capitol-Theaters, das zur Zeit mit "Cabaret" einen direkten Bezug zur Nazi-Zeit hat, seine Teilnahme an der Demo vor dem Rathaus zugesagt. Der Oberbürgermeister hat gestern die Geschäftsführer der städtischen Tochtergesellschaften aufgefordert, ihre Mitarbeiter zur Teilnahme zu bewegen.
Inzwischen steht auch fest, dass die Jüdische Gemeinde mit ihrem prominentesten Vertreter dabei sein wird: Paul Spiegel, Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, wird einer der Redner auf der Kundgebung sein, die von Stadtsuperintendent Ernst-Jürgen Albrecht angestoßen worden ist.
Spannung in Dortmund: Bis gestern abend war unsicher, ob die NPD dort auf die Straße darf, ein Verbot der NPD-Demo war gestern vom Gericht bestätigt worden, aber weitere Rechtsmittel waren möglich: Das Oberverwaltungsgericht musste bis gestern abend 22 Uhr entscheiden.
Quelle: Düsseldorf Today
Erwin: "Bitte keine Straßenschlachten"
Von Uwe-Jens Ruhnau
Düsseldorf. Dortmund hat am Wochenende gezeigt, was auf Düsseldorf am Samstag zukommen kann: 20 000 Bürger demonstrierten friedlich gegen Rechts, während 600 Neonazis durch die Stadt zogen. Zu Gewalt kam es nur, weil Autonome die Rechten stoppen wollten. Insgesamt nahm die Polizei 367 Personen in Gewahrsam, 44 wurden festgenommen."Ich kann verstehen, dass es den Leuten in den Fingern juckt", sagt Joachim Erwin, "aber wer gewaltsam gegen diese Dumpfbacken vorgeht, kippt Wasser auf ihre Mühlen."
Deswegen appelliert der Oberbürgermeister an den Allgemeinen Studenten-Ausschuss (Asta) und die oft aus den gleichen Aktiven bestehende Antifa, "den Neonazis nicht das Medienecho zu geben, dass diese haben wollen. Bilder von Straßenschlachten und verletzten Polizisten sind verheerend." Erwin schließt sich dem Rat des Bürgerforums an: "Wenn wir die Rechten schon nicht gerichtlich stoppen können: Einfach rumdrehen und ihnen die kalte Schulter zeigen, wenn man sie sieht."Der OB ist davon überzeugt, dass bei der Großdemo vor dem Rathaus nichts passiert. Jeder könne und solle kommen. Erwin selbst hat die 9600 Mitarbeiter der Stadt gebeten, um 12 Uhr am Rathaus zu sein, und richtet den gleichen Aufruf an die städtischen Töchter von Rheinbahn bis Flughafen. Der OB hält die sich abzeichnende breite Teilnahme für ermutigend. Deswegen soll in den nächsten Tagen auch eine neue Plakataktion zum Thema Zivilcourage starten, die Ordnungsdezernent Werner Leonhardt unter Hochdruck vorbereitet.
Quelle: WZ Online
Anti-Nazi-Demo: OB bittet zu kommen
Erwin: Wir müssen was tun!
Düsseldorf. Ernst-Jürgen Albrecht, Pastor und Stadtsuperintendent, ist vom Echo angenehm überrascht: Von den unterschiedlichsten Seiten bekommt er Zusagen, an der Aktion "Düsseldorf gegen rechtsextreme Gewalt" teilzunehmen. Albrecht hatte sich als Moderator angeboten für eine Demonstration vor dem Rathaus am 28. Oktober. Bereits bei der "Gründungsversammlung" hatten die Kirchen, die Jüdische Gemeinde, die Gewerkschaften, CDU, SPD, Grüne, FDP, Heimat und Bürgervereine, Freundeskreis Heinrich Heine, die Düsseldorfer Schützen, usw. vereinbart, gemeinsam gegen die zeitgleich stattfindende Demo der NPD ein Zeichen setzen zu wollen.
Nachdem sich der Oberbürgermeister vor zwei Tagen gemeinsam mit Kirchen, Parteien und Verbänden für eine Anti-Nazi-Demo aussprach, wandte sich der Verwaltungs-Chef am Donnerstag an seine rund 9400 Mitarbeiter: In einem Rundschreiben bittet Erwin alle Mitarbeiter der städtischen Behörden, möglichst am Samstag, 28. Oktober, 12 Uhr vor das Rathaus zu kommen und dort zu zeigen, dass Düsseldorf keine Rechtsextremen will. Der OB in seinem Schreiben: "Wir müssen etwas tun!" Der Brief wird auch über das behördeninterne Intranet verbreitet. Am Donnerstag wurde ein Organisationskomitee zusammen gestellt, das nun die Einzelheiten der Demo vorbereiten soll. Mit Überraschung wurde in Düsseldorf registriert, dass die Polizei Dortmund eine NPD-Demo für morgen erneut verboten hat. Grund: Als Anmelder der Demo tauchten plötzlich Mitglieder einer verbotenen Organisation auf. Für Düsseldorf hatte der Polizeipräsident ein Verbot für unwahrscheinlich erklärt.m Freitag will Erwin mit den Chefs der Städtischen Tochtergesellschaften Messe, Flughafen, IDR, Stadtwerke und Rheinbahn Kontakt aufnehmen. Auch sie sollen, so sein Vorschlag, an ihre Mitarbeiter entsprechende Briefe senden und sie zur Teilnahme auffordern.
Die Idee, die Rheinbahn sollte an diesem Samstag Mittag einen Weg finden, die Demo-Teilnehmer gratis zu befördern, wird vom Oberbürgermeister ausdrücklich begrüßt. Erwin: "Ich hoffe und erwarte, dass z.B. auch die Schützen und die Jonges ihre Mitglieder motivieren, mitzumachen!" Er ist offenbar davon überzeugt, dass dieser Appell Wirkung zeigen wird und glaubt an einen großen Aufmarsch vieler Düsseldorfer vor dem Rathaus und in den umliegenden Straßen der Altstadt.
Das glaubt auch Stadtsuperintendent Ernst-Jürgen Albrecht. Dem Pastor und Moderator der Veranstaltung schwebt weniger eine Demonstration, sondern vielmehr ein fröhliches Treffen vor. Dazu wollen auch DEG und Rhein Fire beitragen, die ebenso wie Fortuna-Fans ihr Kommen zugesagt haben. Albrecht betont nachdrücklich, dass die Veranstaltung absolut sicher sein wird. Damit will er jene beruhigen, die noch nie an einer Kundgebung teilgenommen haben und Randale fürchten. Von der Polizei hat Albrecht die Zusage, dass man auf jeden Fall aufpassen und den Versuch - von welcher Seite auch immer - die Kundgebung vor dem Rathaus zu stören, unterbinden werde. Albrecht: "Laden Sie Freunde und Bekannte ein, am 28. Oktober mit vor das Rathaus zu kommen!"
Von Hans Onkelbach
Quelle: Düsseldorf Today
Bürgerbündnis will Zeichen gegen NPD-Demo setzen
"Ängstlich braucht keiner zu sein"
"Ich bin dankbar, dass sich alle haben einladen lassen für ein Bürgerbündnis und sich haben einbinden lassen." Stadtsuperintendent Ernst-Jürgen Albrecht war am Dienstag sichtlich erfreut, dass er für ein breites Bürgerbündnis gegen Gewalt und Extremismus keine große Überzeugungsarbeit zu leisten brauchte. Alle waren sich einig, möglichst viele Düsseldorfer zu bewegen, auf der Straße bei einer Kundgebung Zeichen gegen braune Horden zu setzen. Oberbürgermeister Joachim Erwin stimmte dem ebenso zu wie die Bürgermeisterinnen Ursula Schiefer (CDU), und Marlies Smeets (SPD), Bürgermeister Heinz Winterwerber (FDP) Regierungspräsident Jürgen Büssow, Grüne-Fraktionssprecherin Marion Enke, SPD-Vorsitzende Brigitte Speth, DGB-Vorsitzende Dr. Hanna Paul-Calm, Stephan Glaremin vom Jugendring, Nihat Öztürk (IG Metall), Jonges-Baas gerd Welchering, Schützenchef Josef Arnold oder Karl- Heinz Theissen (Freundeskreis Heinrich Heine).
Besonders beeindruckend fand Albrecht vor allem aber die Äußerung von Esra Cohn, Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde. "Er zeigte sich am Ende des Gesprächs froh über das gemeinsame Vorgehen, will sogar vom Rabbiner prüfen lassen, ob die Juden für die Gegen-Kundgebung von ihren Sabbat-Pflichten befreit werden könnten", berichtete Albrecht.
Für die Kundgebung, für die OB Erwin bereits den Marktplatz vor dem Rathaus zur Verfügung gestellt hat, muss allerdings noch stark geworben werden. Ein Organisations-Komitee wird jetzt Vorschläge für den Ablauf, für die Werbung und für inhaltliche Akzente machen. Sie werden von dem Plenum noch einmal abgesegnet.
In das Organisationskomitee hat Albrecht auch den AStA der Universität eingeladen, der schon einige Tage zuvor zu einer Demonstration am 28. Oktober aufgerufen hatte. "Es war ein Versehen, den AStA nicht zum Vorbereitungstreffen einzuladen. Aber wir streben eine Zusammenarbeit an", sagte Albrecht. Auch der AStA hat inzwischen Zusammenarbeit signalisiert. Kernpunkt der Überlegungen ist laut Albrecht: "Wir müssen auch Demonstrations-Ungeübte mobilisieren." Ängstlich brauche keiner zu sein, weil Kundgebung und NDP-Demonstration voneinander getrennt seien.
Von Michael Brockerhoff
Quelle und Bild: Düsseldorf Today
Düsseldorf steht gegen Rechts auf
Von Uwe-Jens Ruhnau
Düsseldorf. Wenn die Neo-Nazis marschieren, wird die ganze Stadt aktiv: Das Bürgerbündnis hat sich formiert und ruft für den 28. Oktober zur großen Gegen-Demo auf. Müde, aber "ziemlich froh und zufrieden": Stadtsuperintendent Ernst-Jürgen Albrecht stellte gestern das "Bürgerbündnis gegen Rechts" vor, das sich am Vorabend im Haus der Kirche konstituiert hatte. "Es gab kaum Absagen, 70 bis 80 Leute haben hier bis 22.30 Uhr getagt."Die Liste der vertretenen Organisationen liest sich wie ein "Who is who?" der Stadt (siehe rechts) und reicht von der CDU bis zur IG Metall. Sie alle wollen ihre Mitglieder mobilisieren, am 28. Oktober um 12 Uhr Flagge zu zeigen. Überschrift: "Düsseldorf gegen rechte Gewalt."Albrecht hatte schon vor längerer Zeit angeboten, die Moderation für das Bürgerbündnis zu übernehmen (wir berichteten). Der Polizeipräsident informierte den Kreis über die angemeldete Rechts-Demo und den engen juristischen Rahmen, der ein Verbot unwahrscheinlich macht. Dann verließ Michael Dybowski die Veranstaltung, weil er sich nicht dem Vorwurf der Parteilichkeit aussetzen wollte.
Der Polizeichef wird es noch dienstlich mit Albrecht zu tun bekommen, denn der Stadtsuperintendent wird Anmelder der Gegen-Demo sein. Heute tritt erstmals das zehnköpfige Organisationskomitee zusammen. An einen Sternmarsch zum Rathaus ist gedacht. Oberbürgermeister Erwin stellt den Marktplatz zur Verfügung. "Da sollen keine leeren Flächen mehr zu entdecken sein", sagt Albrecht."Es sollte keiner zuhause bleiben, jeder kann sich sicher fühlen." Wenn tatsächlich die erhofften 20 000 Teilnehmer kommen, kann auch auf den Burgplatz ausgewichen werden.
Obgleich der Samstag als Sabbat den Mitgliedern der Jüdischen Gemeinde eine Demo-Teilnahme eigentlich verbietet, will Vorstandsvorsitzender Esra Cohn beim Rabbiner um eine Ausnahme bitten. "Wenn es um Leben und Lebensrettung geht, ist dies möglich", erläuterte Albrecht und zeigte sich berührt über diese Aussage.
Quelle: WZ-Online
